Wenn der Schlaf nicht mehr erholsam ist: Leide ich an einer Insomnie?
Kennst du das? Du liegst oft in der Nacht wach und starrst die Decke an, weil du wieder nicht einschlafen kannst? Wenn ja, kann es sein, dass du möglicherweise an einer Insomnie leidest. In diesem Beitrag erklären wir dir, worum es sich dabei handelt und an welchen Symptomen du erkennen kannst, ob du tatsächlich von dieser Schlafstörung betroffen bist.
Insomnie - was ist das eigentlich?
Es gibt viele verschiedene Formen von Schlafstörungen. Dabei sind organische Schlafstörungen wie beispielsweise die obstruktive Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom von nichtorganischen Schlafstörungen zu unterscheiden.
Die häufigste aller Schlafstörungen ist die nichtorganische Insomnie. Es ist der medizinische Fachbegriff für lang anhaltende oder regelmäßig wiederkehrende Ein- und Durchschlafstörungen. Es kommt dabei häufig zu einer schlechten Schlafqualität, chronischer Erschöpfung und starker Müdigkeit. Solche Symptome können die Betroffenen im Alltag maßgeblich belasten und ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Laut Deutscher Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) leiden mindestens 20% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland an Insomnie und mindestens 4% an klinisch relevanter Insomnie.
Diese Beschreibung könnte den Eindruck vermitteln, dass Betroffene einfach nur zu wenig Schlaf bekommen. Das stimmt aber nur bedingt, denn Insomnie-Patient:innen erleben ihren Schlaf trotz ausreichender Gelegenheit nicht als erholsam und gesund.

Ab wann handelt es sich um eine Insomnie und nicht nur um schlechten Schlaf?
Auch wenn Schlafstörungen weit verbreitet sind, brauchst du es nicht gleich mit der Angst bekommen, denn nicht jede schlaflose Nacht bedeutet automatisch, dass eine Insomnie vorliegt. Ab und zu schlecht zu schlafen ist vollkommen normal und kein Grund zur Sorge. Vorübergehender schlechter Schlaf kann häufig eine gewöhnliche Reaktion auf Stress oder emotionale Erlebnisse sein.
Auch akute Schlafprobleme, wie zum Beispiel Jetlag, zählen nicht zu Insomnie, da sie meist schnell wieder vergehen. Fällt der Auslöser für eine akute Schlafstörung weg oder gewöhnt sich der Körper an die Situation, dann kann sich der Schlaf außerdem häufig von allein wieder verbessern.
Zu einer ernstzunehmenden gesundheitlichen Belastung wird es, wenn die Schlafprobleme regelmäßig über eine längere Zeit auftreten und deinen Alltag beeinflussen. Betroffene einer klinisch relevanten Schlafstörung weisen folgende Symptome auf:
- Ungenügende Dauer und Qualität des Schlafes
- Schlafprobleme mit Ein- und Durchschlafstörungen und/oder frühmorgendlichem Erwachen
- Beschwerden, die mindestens dreimal pro Woche und über mindestens einen Monat bestehen
- deutlicher Leidensdruck und/oder gestörte soziale und berufliche Funktionsfähigkeit
Hinweis: Solltest du dich in diesen Symptomen wiederfinden, raten wir dir deinen Arzt oder deine Ärztin aufzusuchen.
Formen von Schlafstörungen
Grundsätzlich sind organisch bedingte Schlafstörungen (z.B. Restless-Legs-Syndrom oder Obstruktive Schlafapnoe) von Schlafstörungen ohne organische Ursache zu unterscheiden. Eine der am weitesten verbreiteten nicht-organischen Schlafstörungen ist die Insomnie. Diese ist durch Ein- und Durchschlafstörungen sowie frühmorgendliches Erwachen gekennzeichnet, was zu einer unzureichenden Schlafqualität führt. Betroffene haben häufig das Gefühl, trotz ausreichender Schlafzeit nicht erholt zu sein.
In der Schlafmedizin wird unter anderem zwischen einer akuten und einer chronischen Insomnie unterschieden. Um eine akute Insomnie handelt es sich, wenn die Beschwerden weniger als drei Monate lang auftreten. Von einer chronischen Insomnie wird gesprochen, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen oder vielleicht sogar über mehrere Jahre immer wiederkommen.
Eine andere Form der Differenzierung ist die Unterscheidung einer primären von einer sekundären Insomnie: Eine sekundäre Insomnie entsteht als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit, wie zum Beispiel einer Depression, bei chronischen Schmerzen oder Schlafbeschwerden als Nebenwirkung eines Medikaments. Chronische Schlafstörungen und psychische Erkrankungen beeinflussen sich nachweislich oft gegenseitig negativ und besonders bei depressiven Erkrankungen kann der gesamte Schlafverlauf gestört sein. Wird die gleichzeitig vorhandene Insomnie behandelt, kann das einen positiven, heilungsfördernden Effekt auch auf die psychische Erkrankung haben.
Um eine primäre Insomnie handelt es sich dann, wenn Betroffene nur an einer Insomnie und nicht an einer Insomnie als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit leiden.
Was ist die Ursache einer Insomnie?
Die Auslöser für Insomnien sind vielfältig, und sie hängen immer mit den individuellen Umständen zusammen. Körperliche bzw. seelische Erkrankungen oder auch die Einnahme von Medikamenten können zu Ein- und Durchschlafstörungen führen.
Eine schlechte Schlafhygiene kann ebenfalls Ein- und Durchschlafstörungen verursachen. Mit Schlafhygiene sind das individuelle Verhalten und die äußeren Bedingungen, welche den Schlaf eigentlich fördern sollten, gemeint. Dazu zählen beispielsweise unter anderem regelmäßige Schlafenszeiten oder bestimmte Einschlafrituale. Verschlechtert sich die Schlafhygiene, dann verringert sich häufig auch die Schlafqualität.
Die gesundheitlichen Folgen einer Insomnie
Hast du dich nach einer schlechten Nacht schon mal gereizt oder antriebslos gefühlt?
Dann weißt du, wie eng Schlaf mit dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden zusammenhängt. Es ist also keine große Überraschung, dass sich zu wenig oder schlechter Schlaf negativ auf die Gesundheit auswirkt. Bei Betroffenen einer Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen) können die gesundheitlichen Folgen weitreichend sein.
Insbesondere wenn es sich um eine lang anhaltende, chronische Insomnie handelt, steigt zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Dazu zählen beispielsweise Herzinfarkte, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.
Zudem wird das Immunsystem geschwächt, wodurch Infektionskrankheiten begünstigt werden. Unsere Abwehrkräfte, die sogenannten „T-Zellen” benötigen die Ruhephase, die uns der Schlaf bietet, um Krankheitserreger effektiv abwehren zu können. Denn während des Schlafes steigt die Zahl der Antikörper und das Gedächtnis der Immunabwehr wird gestärkt.
Wie Insomnie dem Geist schadet
Aber nicht nur unser Körper, sondern auch unsere mentale Verfassung leidet unter zu wenig Schlaf. Insomnie tritt nicht nur häufig als Begleiterscheinung von psychischen Krankheiten auf, sondern begünstigt auch ihre Entstehung. Schlafmangel kann beispielsweise Depressionen und Symptomen wie Denkstörungen oder sogar Halluzinationen verursachen.
Da Betroffene in ihrem Alltag stark durch ihre andauernde Müdigkeit und Antriebslosigkeit beeinträchtigt werden, können Schlafstörungen auch zu einem Rückzug aus dem sozialen Leben und der Vernachlässigung von Familie und Freunden führen. Die soziale Abkapselung trägt wesentlich zur Verschlechterung des mentalen Zustands bei.
Die gute Nachricht ist: Insomnie ist nachhaltig behandelbar – auch ohne zusätzliche Medikamente. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt als erste Behandlungsmethode die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I).










