Frühjahrsmüdigkeit: Einbildung oder echtes Phänomen?
Jedes Jahr im Frühling dasselbe: Die Tage werden länger, die Sonne scheint häufiger und viele Menschen berichten, sie fühlten sich schlapp und antriebslos. Das Thema Frühjahrsmüdigkeit ist dann alljährlich pünktlich zum Frühlingsbeginn wieder präsent. Doch gibt es sie wirklich?
Frühjahrsmüdigkeit: Das sagt die Wissenschaft
Bereits in der Vergangenheit untersuchten Forschende, ob ein Zusammenhang zwischen der Qualität unseres Schlafs und dem Wechsel der Jahreszeiten besteht. Eine neue Studie hat rund 500 Erwachsene über ein ganzes Jahr hinweg alle sechs Wochen zu Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit und Schlafqualität befragt, um empirisch zu prüfen, ob tatsächlich ein jahreszeitlicher Zusammenhang beobachtet werden kann. Das Ergebnis: Während etwa die Hälfte aller Befragten zu Beginn der Untersuchung angegeben hatte, unter Frühjahrsmüdigkeit zu leiden, konnten im Jahresverlauf anhand der konkreten Angaben der Teilnehmenden keine Belege dafür gefunden werden, dass die berichtete Erschöpfung, Müdigkeit oder schlechter Schlaf saisonal oder monatlich schwankten.
Die Ursachen für ein mögliches Formtief zum Ende eines langen Winters vermuten einige Forschende im Zusammenspiel der beiden Hormone Serotonin und Melatonin. Beide sind relevante Botenstoffe für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Unser innerer Taktgeber (der zirkadiane Rhythmus), der durch äußere Faktoren wie Licht, Dunkelheit oder feste Tagesabläufe beeinflusst wird, muss sich an die veränderten Lichtverhältnisse anpassen. Entsprechend dauert es einige Zeit, bis sich der Serotonin- und Melatoninspiegel wieder eingestellt hat. Einzelne Studien verorten diesen Effekt eher in Regionen, die weiter vom Äquator entfernt sind, wie z.B. Norwegen oder Finnland, wo sich die Tageslänge besonders stark verändert.
Wie erklären die Schlafforschenden Blume und Vorster selbst die Ergebnisse aus der neuen Untersuchung, die im Jahresverlauf trotz der zu Beginn anders lautenden Selbsteinschätzung der Teilnehmenden keinen tatsächlichen Beleg für eine jahreszeitlich schwankende Schlafqualität finden konnte?
Ihre Interpretation: Weil es einen etablierten Begriff für Frühjahrsmüdigkeit gibt, achten viele Menschen im Frühling vermehrt darauf, wie müde sie sich fühlen und deuten Erschöpfungssymptome dementsprechend.
Neue Studie zur Frühjahrsmüdigkeit: Was bedeutet das für uns?
Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass das Gefühl der Erschöpfung im Frühling nicht real ist. Es heißt vielmehr, dass seine Ursachen möglicherweise woanders liegen und dass wir vielleicht zu schnell auf ein kulturelles Erklärungsmuster zurückgreifen, anstatt tatsächlichen Ursachen auf den Grund zu gehen. Aus diesem Grund ist das digitale Schlaftagebuch ein zentrales Element in somnio. Nutzende erhalten so ein realistisches Bild ihres tatsächlichen Schlafs, auf dessen Basis der weitere Therapiefortschritt gestaltet werden kann.
Gesunde Schlafhygiene: Tipps zur Optimierung deiner Schlafqualität
Für alle, die mehr für ihre Schlafqualität tun wollen, kann eine geeignete Schlafhygiene helfen, erholsamen Schlaf zu fördern und somit ausgeruhter und leistungsfähiger in den Tag zu starten:
- Konstante Schlafzeiten: Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und noch wichtiger, zur gleichen Zeit aufstehen, hilft dem Körper, sich im Tag-Nacht-Rhythmus einzupendeln.
- Digital Detox vor dem Schlafen: Blaulicht kann die zum Einschlafen wichtige Melatoninproduktion stören, und Inhalte aus sozialen Medien können schlafhinderne Grübelgedanken auslösen, daher am besten 30 Minuten vorher: Handy weg, Laptop zu!
- Entspannung bewusst einplanen: Atemübungen, Yoga oder progressive Muskelentspannung helfen vor allem als regelmäßiges Abendritual beim Runterkommen.
- Kein Koffein am späten Nachmittag: Koffein wirkt lange im Körper nach, daher besser nur bis 14 Uhr genießen.
- Schlafumgebung optimieren dunkel, ruhig & kühl - so schläft es sich für die meisten Menschen am besten.
Quellen:
Blume, C. & Vorster, A. (2026). No Evidence for Seasonal Variations in Fatigue, Sleepiness, and Insomnia Symptoms: Spring Fatigue Is a Cultural Phenomenon Rather Than a Seasonal Syndrome. Journal of Sleep Research. https://doi.org/10.1111/jsr.70319
Bratlid, T., & Wahlund, B. (2003). Alterations in serum melatonin and sleep in individuals in a sub-arctic region from winter to spring. International Journal of Circumpolar Health, 62(3), 242–254. https://doi.org/10.3402/ijch.v62i3.17561




